Samstag, 28. März 2015

Kevin Maher - Nichts für Anfänger



Zuerst wird die Familienkatze überfahren, dann kriegt Helen McDowell einen Hockeyball ins Gesicht und June Shilaweh wird von einem Laster überrollt – das Mütternetzwerk aus der Nachbarschaft hat noch mehr solcher Geschichten auf Lager, doch sie sind nur böse Omen für das, was Jim Finnegan auf der Schwelle zum Erwachsenwerden noch erwarten soll: Die große Liebe wird zu einem einzigen Worst-Case-Szenario, seine Familie droht zu zerbrechen und ein zwielichtiger Pfarrer macht ihm das Leben zur Hölle.
Nicht für Anfänger, jedenfalls.

Seitenzahl:480
Verlag: Heyne Verlag
ISBN: 978-3-453-41806-6
Der Roman handelt von einem anfänglich 13 jährigen Jungen – Jim Finnegan, der als jüngstes Kind neben fünf älteren Schwestern, in einer streng katholischen Familie aufwächst. Die Geschichte spielt in den 80er Jahren in Dublin – Irland. 

Jim ist der Ich-Erzähler in diesem Roman, er stellt sein Leben mit allen Höhen und Tiefen, in einer sehr direkten und auf eine sehr verklärte Art und Weise dar.
Den regelmäßig stattfindenden Müttertreffen lauschen die Jungen der Gemeinde heimlich aber sehr gespannt. Die Mütter unterhalten sich über die dramatischen und sehr drastischen Geschehnisse der letzten Wochen und Tage. Diese werden detailgetreu nachempfunden und aufgrund der schwere des Vorfalls wird ein Wettbewerb des Grauens veranstaltet – „Umso blutiger, umso besser.“.
Jim ist zu Beginn ein ganz normaler Junge, mit ganz normalen Jungenproblemen. In der Schule wird er geärgert, gibt dies aber ebenso zurück. Er verliebt sich zum ersten Mal und macht die Erfahrung, wie es ist ein Mädchen nicht haben zu können, da sie mit einem anderen liiert ist. Der zwiespältige Gemeindepfarrer O´Culigeen vergreift sich mehrfach an Jim, ohne dass er sich jemanden mitteilen kann, da der Herr Pfarrer ein hoch angesehenes Gemeindemitglied ist und von Mutter und Freundin verehrt wird. Er macht seine ersten sexuellen Erfahrungen mit einem Mädchen und bekommt prompt die nächsten Problem. Außerdem erkrankt sein Vater schwer, was zu Zerwürfnissen innerhalb der Familie führt.
Die Handlung wird aus einer einzigen Perspektive geschildert und ohne Dialoge, Punkt und Komma erzählt. Es ist spürbar, wie Jim Finnegan im Verlauf des Romans erwachsener wird und durch die Erlebnisse seine Art des Erzählens verändert. Zum Ende des Romans könnte man fast meinen, dass er schon sehr reif und fast zynisch auf Konfrontationen reagiert, was eher untypisch für einen Jungen seines Alters ist, aber durchaus seinen Erfahrungen angemessen erscheint.
Der Leser wird innerhalb der ersten Seiten in eine zum Teil sehr verstörende aber durchaus denkbare Realität entführt. Die Ereignisse werden in einer unverblümten, rabiaten, direkten Sprache der Jugend ausformuliert. Aufgrund dessen ist mir der Einstieg in diesen Roman sehr schwer gefallen und ich habe sehr lange gebraucht, um einen Zugang zu finden. Nachdem mir dies geglückt ist, hat sich das Buch sehr gut gelesen und ich konnte mich als Leser sehr gut in die sehr schrecklichen aber auch fröhlichen Erlebnisse von Jim Finnegan hinein versetzen.
Sehr schön finde ich die geschilderte Umgebung des Buches, durch die immer wiederkehrenden kleinen Details, herausgegriffen aus den 80er Jahren, wie beispielsweise Gegenstände oder Musiktitel, fühlt man sich in diese Zeit hineinversetzt.
Der Handlungsverlauf des Romans ist für mich durchaus schlüssig, wenn auch die Art und Weise der Darstellung nicht immer mein Geschmack ist. Kritisieren möchte ich nur zwei Dinge. Zum einen, dass Jim in London in eine Art Heilsekte gerät und sich die Handlung sehr auf diesen Kontakt versteift und bis zum Ende präsent erhält und zum anderen, dass das Ende des Romans nicht rund und für meinen Geschmack nicht hundert prozentig passend ist.
Dennoch möchte ich diesen Roman all denen empfehlen, die realistische Literatur mögen und zum Beispiel Bücher wie „Tschick“ von Wolfgang Herrendorf gern lesen.

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